Computer-Tipps für Texter und Autoren

für Texter und Autoren

Beherrscht du dein Schreibprogramm oder beherrscht es dich? Zehn Tipps, wie du das Teufelszeug richtig handhabst.

Von Roland Gugganig

Wer ist schuld, wenn ein Text mehr Schreibfehler aufweist als Plastiktüten im Pazifik schwimmen? Manche nehmen die Autoren aus der Pflicht und machen für die Fehlerflut in den Medien den Computer verantwortlich: Weil am Bildschirm alles viel zu gut aussieht. Man hält für perfekt, was nur makellos scheint.

Haben die Technik-Zweifler recht? Bedenke: Die Urgroßväter dieser Leute haben das Gleiche auch der Schreibmaschine vorgeworfen, als diese noch ein Novum war. Steckt trotzdem Wahrheit in den Bedenken der Nostalgiker? Absolut. Nur besteht die Lösung nicht in der Rückkehr zu Bleistift oder Federkiel. Stattdessen musst du deinen Computer richtig einsetzen: Nicht als Spielkonsole, sondern als Schreibgerät.

Hier sind zehn nützliche Computer-Tipps für Texter:

Tipp 1: Verwende eine Schriftart mit gleichmäßiger Zeichenbreite. Die gängigsten Fonts für Profischreiber heißen Courier New, Monospace, Monaco, OCR-A und OCR-B.

Tipp 2: Stelle die Schrift um einiges größer ein als im Endprodukt. Dein Text mag in 11- oder 12-Punkt-Schrift veröffentlicht werden – verfassen solltest du ihn in 14 oder 16 Punkt.

Tipp 3: Wähle mindestens eineinhalbfachen Zeilenabstand, noch besser doppelten. So behältst du am Bildschirm die Übersicht und auf dem Ausdruck hast du genug Platz für Anmerkungen zwischen den Zeilen.

Tipp 4: Arbeite an deinem Text grundsätzlich im Flattersatz, auch bekannt als linksbündige Ausrichtung. Blocksatz und zentrierter Text sind Unfug, jedenfalls in der Schreibphase.

Tipp 5: Benütze Shortcuts, statt umständlich das Kontextmenü aufzurufen. Die wichtigsten drei Kombinationen sollten jedem Schreiber blind von der Hand gehen: Strg + X zum Ausschneiden, Strg + C zum Kopieren und Strg + V zum Einfügen. Sehr nützlich sind auch Strg + Z zum Rückgängigmachen und Strg + Y zum Wiederherstellen.

Tipp 6: Schalte beim Schreiben die automatische Silbentrennung ab. Denn sie verwandelt jeden Kraut-und-Rüben-Text in allzu saubere, gefällige Absätze. So entgeht dir, was dir sonst womöglich auffiele: Pompöse Wortmonster, sperrige Infinitive, ellenlange Einschübe. (Falls du dich fragst, was daran verkehrt sein soll, melde dich an für ein Schreibcoaching.)

Tipp 7: Finger weg von den Format-Optionen. Das Herumdoktern mit Einrückung, Schriftarten, Schnitten, Farben und Stärkegraden erzeugt die Illusion, dass du an deinem Text arbeitest, während du in Wirklichkeit nur mit den Knöpfen spielst. Wir wollen uns aber während des Schreibens auf den Inhalt konzentrieren.

Tipp 8: Falls du der Versuchung nur schwer widerstehen kannst, benutze für deine Arbeit einen simplen Text-Editor. Auf Windows-Geräten findest du diesen in der Programmliste unter Windows-Zubehör > Editor. Hier kannst du nur eine Schriftart fix einstellen und die Schriftgröße ändern. Das genügt.

Tipp 9: Sichere deine Inhalte zwischendurch mit Strg + S oder sag deinem Schreibprogramm, dass es regelmäßig zwischenspeichern soll. Word sichert deinen Text automatisch alle zehn Minuten.

Tipp 10: Tippe deinen Text nicht nach dem Adler-Such-System ein, denn das ist nicht nur uncool, es kostet Zeit. Übe stattdessen das Schreiben mit zehn Fingern.

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Ist der Computer ein Fluch oder ein Segen für Autoren? Für mich ist die Antwort eindeutig, denn zu Beginn meiner Texter-Laufbahn habe ich noch mit Fernschreiber und Schreibmaschine hantiert und mich abgemüht mit Korrekturbändern, Tipp-Ex und Blaupausen. Ich versichere dir: Verglichen mit früheren Verhältnissen leben wir Schreiber heute im Paradies.

Nur der Computer lässt dich Textbausteine zwischenspeichern. Nur hier kannst du mühelos Wörter und Absätze verschieben. Nur hier kannst du rasch ordnen, sauber kürzen und im Handumdrehen Suchen und Ersetzen. Nur hier kannst du an Kopien feilen, während das Original hoch und trocken bleibt. Nur hier kannst du parallel recherchieren und kreieren. Deshalb solltest du als Schreiber den Computer täglich loben und preisen.

Ich bin sicher: Hätte Goethe unsere elektronischen Textwerkzeuge und Google gekannt, sein Tintenfass und sein Zettelkasten wären in hohem Bogen aus dem Fenster geflogen.

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