Lieber laufende Ideen als stehende Phrasen

Lieber laufende Ideen als

Hüte dich vor blauen Wundern, schwarzen Schafen, grünen Bereichen, roten Tüchern, silbernen Tabletts, weißen Westen, rosa Brillen, grauen Eminenzen und goldenen Mittelwegen. Stehende Phrasen sind nicht das Gelbe vom Ei.

Von Roland Gugganig

Langweiligen Schreibstil erkenne ich als Lektor daran, dass stehende Phrasen und abgedroschene Antik-Wörter den Text zuwuchern wie Unkraut. So wie rabenschwarz und zappenduster, wie Steckenpferd und Fersengeld, wie die Katze im Sack, der Schuss vor den Bug und der Zahn der Zeit. Eben der Letztgenannte ist es, der an der Wirksamkeit nagt.

Denn all diese fabelhaften Wortschöpfungen waren einmal genial – zum Zeitpunkt ihrer Erfindung vor gefühlten 200 Jahren. Warum? Weil sie damals brandneu waren. Leider haben dann Generationen denkfauler Journalisten und Romanciers die Ideen nachgeplappert und als Fertigbausteine benutzt. Sie haben sie, um eine ebenfalls antiquierte Phrase aus dem Grab zu kitzeln, zu Tode geritten. Nun sind sie kraftlos geworden.

Können wir wirklich nur Trübsal blasen oder auf die Pauke hauen? Muss der Neid unweigerlich blass sein, der Anfänger blutig und das Ende bitter? Gute Schreiber widerstehen der Versuchung, sich abgelaufener Dosenware zu bedienen. Lieber ersetzen sie stehende Phrasen durch frische Vergleiche und eigene Einfälle.

Ich sage nicht, dass du nie wieder rabenschwarz in deinen Texten verwenden sollst. Vielmehr plädiere ich für den sparsamen Einsatz: Das staubige Vokabular aus der Dreschmaschine darf nicht zur Masche werden. Eine hübsche Antiquität in einem modernen Wohnzimmer macht sich gut. Wenn aber die Leser umzingelt sind von morschen Kommoden und wackeligen Nierentischen*, fühlen sie sich wie weiland bei Oma auf dem Sofa.

Das Schwarze muss betont werden in deinem Text? Wem schwarz nicht schwarz genug ist, der könnte die Gräfin auch in einem nachtschwarzen Kleid von der Schlosstreppe fallen lassen. Weniger abgetragen: gewitterschwarz, tintenschwarz, samtschwarz. Weitere Anregungen findest du in meiner Farbwörter-Liste.

Auch skurrile Kombinationen sind denkbar: stockrabenfinster. Aktuell: Schwarz wie Trumps Seele. Vielleicht schockierst du deine Leser mit: Schwarz wie ein Raucherbein im Endstadium. Oder du riskierst eine brisante Neuschöpfung und sagst burkaschwarz.

Nichts davon muss aber sein. Für Goethe war ein simples Schwarz gut genug: „Wer kennt den Schelm in tiefer Nacht genau? Schwarz sind die Kühe, so die Katzen grau.“ reimt er in Faust, Teil II.

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Wie findest du unverbrauchte Wörter und neue Wendungen? Halte inne und gönne dir fünf Minuten zum Überlegen. Notiere dir alle Ideen, mach eine Liste. Recherchiere online: Goethe hatte seinen Kopf im Zettelkasten, wir haben das Internet! Dort lassen sich Synonyme und Assoziationen rasch ausfindig machen. Die Kunst liegt darin, den Geschmackssinn zu aktivieren und Passendes von Unpassendem zu unterscheiden.

Falls dich das Gefühl beschleicht, dass dein Text zu viele stehende Phrasen enthält, rate ich dir zu einem Lektorat. Und wenn du lernen willst, wie du deine Leser mit spritziger Sprache aufweckst, ist ein Schreibcoaching das Richtige für dich.

* Wackelige Nierentische sind ein Privatscherz für Möbelfreunde: Nierentische sind dreibeinig und wackeln deshalb nie.

Roland Gugganig: Dein Texter, Lektor, Skriptdoktor und Schreibcoach

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